Suche    Kontakt    Redaktion    Sitemap    Disclaimer    Impressum 

Erbhof Thedinghausen

Geschichte

Der Erbhof ist im Zusammenhang mit dem Bau der Burg Thedinghausen durch den Bremer Erzbischof Giselbert als Burgmannslehen um 1285 entstanden.
Ursprünglich war der Erbhof im Besitze der Familie von Amedorf, dann der Corlehakes und um 1600 des erzbischöflichen Drosten von Hermeling.
Den heutigen schloßartigen Bau verdankt Thedinghausen einem Erzbischof, der es mit dem 6. Gebot nicht allzu genau nahm. In den Maientagen des Jahres 1612 kam der Bremer Erzbischof Johann Friedrich von Holstein-Gottorf (1596-1634) nach Thedinghausen. Er beabsichtigte, eine Probepredigt des Hermann Hütter, dem Kandidaten für die vakante Pastorenstelle in Lunsen, anzuhören. Da die Räume der Thedinghäuser Burg sich in einem nicht zumutbaren Zustand befanden, quartierte sich der Erzbischof im Hause des Drosten von Hermeling ein. Der 32-jährige Johann Friedrich, Prinz von Holstein,  war ein weltoffener, kunstsinniger und zugleich galanter Kirchenfürst. Auf dem Erbhof sah er zum ersten Male Gertrud von Hermeling-Heimbruch, die Frau des weitaus älteren Drosten. Der Erzbischof war von der bezaubernden Erscheinung der Hausherrin so eingenommen, daß er bald eine große Zuneigung zu dieser jungen und hübschen Frau empfand. Zwei Jahre später, 1614, starb plötzlich der greise Drost. Der Kirchenfürst kam nun häufiger nach Thedinghausen, wo er Tage und Wochen bei seiner geliebten Gertrud verbrachte. Im Jahr 1619 ließ Erzbischof Johann Friedrich ein kleines Landschloß für seine Geliebte errichten, das heutige Erbhofgebäude. Aber während der Bauarbeiten starb Gertrud von Heimbruch ganz plötzlich, im März 1620 im Alter von dreißig Jahren.
Heute weiß niemand mehr, was damals gesagt und gesprochen wurde. Wenig Schriftliches ist überliefert, man weiß nur, daß der schon erwähnte sittenstrenge Lunser Pastor Hütter Anstoß am Verhältnis des Erzbischofs genommen hatte.

Einer staunenden Nachwelt blieb jedoch dieses zu Stein gewordene Vermächtnis einer großen Liebe trotz aller kriegerischen Wirren der Jahrhunderte erhalten.

Danach schenkte der Erzbischof von Bremen den Hof seinen Kindern Friedrich und Christine, deren Mutter Anna Dobbel aus Bremervörde war.
1621 hatte der Kaiser beide Kinder legitimiert und unter dem Namen von Holstein in den Adelsstand erhoben.

Von Christine von Holstein kam das Gut 1649 an den schwedischen Grafen Wittenberg und 1657 an dessen Tochter Marianne Margarethe. Letztere verkaufte den Besitz 1681 an den schwedischen Drosten in Verden, Thomas von Gerstenberg, für 1100 Reichstaler. Sein Sohn und Nachfolger Heinrich Wilhelm war mit Katharina von Klencke aus dem Hause Donnerstedt verheiratet. Beider älteste Tochter Metta Beate, die mit dem Landrat Ludwig von Meihern vermählt war, erbte den Hof. Infolge der Kinderlosigkeit dieser Ehe fiel der Hof später an zwei Verwandte, nämlich an die von Ompteda, deren Namen auf den alten Flurkarten von 1766 wiederzufinden sind. Diese verkauften den Hof 1787 an zwei Bremer Bürger (für 34850 Reichstaler), die ihn aber noch in demselben Jahr an den damaligen Drosten zu Thedighausen, A. von Hugo, weitergaben. Von Hugo geriet in Konkurs, und der Hausvogt Lüder in Celle erwarb den Erbhof 1829 für 30200  Reichstaler. Lüders Enkelin heiratete den Geometer Lillie, und nach dessen Tod erbte der Sohn den Erbhof.

1935 wurde der Hof der Tochter dieses Sohnes, Lia Lillie, zugesprochen. Deren Ehemann, der damalige Bankdirektor Henri Kriete, hat das architektonisch schöne Bauwerk  von Grund auf restaurieren lassen. Für diese bauliche Wiederherstellung wandte er im Laufe der Jahre 1936 bis 1938 rund 50.000 Mark auf, was heute etwa einer Kostensumme von einer Million  entsprechen würde. Dieser privaten Initiative von Herrn Henri Kriete ist das Erhalten dieses so wertvollen Baudenkmals der Weserrenaissance zu verdanken! Die Wiederinstandsetzung mit Hilfe von geeigneten Fachleuten wurde von der staatlichen Bauverwaltung damals als "vorbildlich" bezeichnet.

Der Erbhof blieb bis 1998 im Besitz der Familie Kriete. Seit 1999 ist die Samtgemeinde Thedinghausen Eigentümerin des Hofgrundstücks und der Gemeinde Thedinghausen gehören die umliegenden Ländereien.

Der Erbhof war, wie die Karte aus der Mitte des 18. Jahrhunderts zeigt, einschließlich seiner Wirtschaftsgebäude von einem Wassergraben umgeben, der später aber zugeschüttet wurde. Als letzter Rest dieses Grabens bestand bis nach dem 2. Weltkrieg noch ein sogenannter Ententeich vor der Südost-Kamin-Giebelseite des Wohnhauses. Auch dieser wurde bis 1953 zugeworfen. Hinter der Rückfront liegt heute ein Park mit einem sehr schönen und alten Baumbestand. Nach der Karte von 1766 besaß der Hof auch einen länglichen und großen Lustgarten jenseits des Burggrabens nach Osten zu, also in Richtung der heutigen Ausfahrt.
Heute befindet sich dort ein Obst- und Gemüsegarten.

Zum Erbhof als einem alten Burgmannslehen gehörten früher bis zur Ablösung  Mitte des 19. Jahrhunderts noch eine Reihe von abgabepflichtigen Meierhöfen, von denen der jeweilige Gutsbesitzer der Grundherr war. Aus einer Aufstellung aus dem Jahre 1766 (Aufbewahrung im Niedersächsischen Staatsarchiv, Wolfenbüttel) ergibt sich, daß das "adelich freie Gut Erbhoff des Herrn Carll von Ompteda" 165 Morgen Ländereien und 198 Morgen Weiden und Wiesen bewirtschaftet. Dazu erhält es noch den Zehnten von Ländereien von insgesamt 1466 Morgen. Der Erbhof war der Grundherr von 42 Höfen im Amte Thedinghausen. Die meisten davon lagen in der Bürgerei, in der Hägerbauernschaft und in Eißel.